EC-Adventsaktion

Was ist das?

Wir als EC Leipzig machen jetzt seit drei Jahren eine kleine Adventsaktion bei uns im Leipziger Stadtteil Neustadt-Neuschönefeld und darüber hinaus. Das heißt, dass wir zur letzten EC-Jugendstunde des Jahres in kleinen Gruppen „nach draußen“ gehen und Plätzchen und heiße Getränke an Leute im Stadtteil verteilen, mit Leuten ins Gespräch kommen, Obdachlosen etwas Gutes tun oder alte und kranke Leute aus unserer Gemeinde besuchen und mit ihnen Weihnachtslieder singen.

Hier möchten wir jetzt ein paar Eindrücke dieser Aktion vom 18.12.2019 teilen:

Fritz berichtet: „Wir sind ja im Stadtteil rumgezogen. Es war spannend, gefühlt haben wir nur ablehnende Menschen getroffen, bis ich dann innerlich nochmal gebetet habe. Und dann standen wir in dem „Park“ zwischen Berg-/Köhler- und Dresdner Str. an einer Stelle und dort sind etliche Leute vorbeigekommen mit denen wir richtig gut ins Gespräch gekommen sind. Nicht wir sind dann rumgelaufen, sondern die Leute sind quasi an uns vorbeigegangen, wir mussten sie nur noch „wegfangen“. Einer, der einen Urlaub in Australien plant, um seiner Freundin hinterher zu reisen, die dort länger verweilt, hat uns nach Reisetipps gefragt und fand es mega cool, dass wir so eine Aktion gestartet haben.“

Etwas später hielt ein Polizeiauto in unmittelbarer Nähe. Wir besprachen uns kurz, ob wir denen etwas geben oder nicht, zu einem richtigen Schluss sind wir nicht gekommen. Einer von uns ist dann fröhlich übermotiviert hingehüpft und dachte schon: „Naja, die dürfen vermutlich eh nichts annehmen, wegen Bestechung und so…“. Er stand dann vor der Beifahrertür, die „kurbeln“ das Fenster runter und er fragte sie kurz, ob er ihnen etwas schenken dürfe, auch wenn sie ja vielleicht nichts annehmen dürfen.“ Und der Polizist auf dem Fahrersitz meinte ganz selbstverständlich: „Warten Sie, wir steigen kurz aus.“ So standen wir dann mit zwei Bereitschaftspolizisten auf dem Bürgersteig und haben uns ganz nett unterhalten. Sie waren gerade kurz vor Dienstschluss. Die Arbeit sei wohl echt sehr anstrengend gewesen. Im Auto mussten sie gerade noch ein Protokoll eines Einbruches dokumentieren. Zuvor hatten sie einen Selbstmordeinsatz, was wohl rund um Weihnachten häufiger der Fall und echt herausfordernd sei. Mit je einem Päckchen Kekse durften wir sie doch beschenken und haben uns noch sehr herzlich für ihren Dienst bedankt, was anscheinend bei denen ziemlich gut, herzlich und ehrlich ankam! Die beiden haben sich bedankt und fröhlich weitergearbeitet.

In der Nähe der Straßenbahnhaltestelle haben wir dann noch mit zwei jungen Männern gesprochen. Einer aus der Türkei und der zweite aus einem anderen nordafrikanischen Land. Die machen beide eine Schweißerausbildung. Der eine war richtig interessiert und hat uns gefragt, warum wir denn an Gott glauben bzw. seine Ausgangsfrage war: „Wie ist der Glaube an Gott eigentlich entstanden? Wer hat sich den ausgedacht? Seit wann gibt es den?“ Wir meinten so: „Naja… kommt darauf an, ob man davon ausgeht, dass es Gott gibt oder nicht? Das ist ja Grundlage der Frage. Ich glaube daran, dass es Gott gibt, also gibt es den Glauben an Gott schon immer bzw. seit es den ersten Mensch auf der Welt gibt.“ Und dann kamen wir eben darauf zu sprechen, wie wir zum Glauben gekommen sind. Da hat quasi jeder von uns so ein kleines Zeugnis abgegeben. Wie wichtig es da war, dass man da dann nicht anfängt zu stammeln, sondern erklären kann, woran man glaubt, wie man zum Glauben gekommen ist, was Meilensteine im Glauben für einen selbst waren,…

Spannend war im übrigen, wie komisch einen die Leute angucken, wenn man ihnen etwas schenken möchte. Alle immer: „Wie viel bekommt ihr denn?“ „Was? Ihr macht das umsonst?“ „Das ist doch so eine Charité-Sache, wofür sammelt ihr denn?“ „Was ist eure Aktion?“ – Und schon war man im Gespräch über Gemeinde! Aber echt komisch, dass es so unüblich ist, etwas geschenkt zu bekommen. Immer die Hintergedanken: „Wo ist der Haken? Was wollen die wirklich von mir? Die wollen mir doch nicht nur etwas schenken.“ – Das wirkte teils echt komisch.

Was einer aus einem der Teams ziemlich cool fand: die waren als 4er-Gruppe unterwegs. Er und eine andere EClerin sind immer vorgeprescht und haben die Leute angequatscht und dann haben sich eben längere oder weniger lange Gespräche/Begegnungen ergeben. Bei den längeren Gesprächen standen sie sich dann logischerweise ein bisschen auf den Füßen herum, weil man ja zu viert schlecht mit einer Person sprechen kann. Aber im Austausch/der Reflexion danach sagte eine andere aus deren Gruppe, dass es für sie so wichtig und wertvoll war, die Aktion in einer so großen Gruppe gemacht haben zu dürfen, da das für sie so ein Schritt von „Ich gehe mehr aus mir heraus.“, „Ich werde extrovertierter.“ war, den sie in einer noch kleineren Gruppe nie gegangen wäre, wo sie sich nicht getraut oder sich richtig überfordert gefühlt hätte. Sie erzählte, dass sie die Aktion so in der Art und Weise richtig cool und wertvoll fand , dass sie da von uns lernen konnte.

Zum Abschluss noch ein gefühlter Flop: wie eingangs erwähnt wollten wir auch ein paar alte Leute aus der Gemeinde besuchen. Bei einem sehr alten Paar haben wir vorher extra angerufen, mit den Pflegekräften gesprochen, die meinten: „Ja, kein Problem, der Mann freut sich sicherlich riesig, die Frau liegt vermutlich schon im Bett, aber das ist nicht schlimm, die ist dann vielleicht auch wieder wach. Kommt gern vorbei.“ Als dann die Gruppe von der geplanten Aktion relativ schnell wieder da war, hörten wir nur, dass sie gar nicht dort waren bzw. der Mann wohl am Morgen schon gesagt hat, dass ihm das zu viel wird, weil er krank und so sei. Dann haben sie wohl nur ein Kekspaket dort gelassen, ohne dass sie jemand getroffen haben. Im nächsten Gottesdienst, und das war für uns unglaublich überraschend und erfreulich, erzählte eine andere Frau aus unserer Gemeinde, dass sie mit der Tochter des Ehepaares gesprochen bzw. sie angerufen habe und  diese nachgefragt hat, wer denn diese Almut und der Philipp und so seien…? Die Leute aus unserem EC sie sind ja nicht blöd. Die haben ihre Namen und eine kleine Botschaft auf die Kekspackung draufgeschrieben und so hat die Aktion doch noch mehr bewirkt als gedacht. Da sie im Nachhinein den alten Mann und auch die Tochter echt erfreut hat, obwohl es nicht zu dem eigentlichen Kontakt kam.